Zum Wissenschaftstag: Für einen differenzierten Gewaltbegriff und gegen die Kulturalisierung sexualisierter Gewalt

Statement zum Wissenschaftstag #4genderstudies

Für einen differenzierten Gewaltbegriff und gegen die Kulturalisierung sexualisierter Gewalt

Das Thema Gewalt durchzieht die Frauen- und Geschlechterforschung seit ihren Anfängen. Seit den 1970er Jahren lag der Fokus darauf, strukturelle Gewalt als Bestandteil von Geschlechterverhältnissen sichtbar und Vergewaltigung in der Ehe als Gewalt ahndbar zu machen sowie familiäre und häusliche Gewalt als Bestandteil von Lebensrealitäten zu problematisieren. Sexualisierte Gewalt ist Ausdruck von Macht und ereignet sich auf dem Feld von Sexualität.

Die Geschlechterforschung hat vor allem darauf hingearbeitet, die verschiedenen Gewaltformen zu historisieren und somit auch zu entnaturalisieren. Erst wenn Gewalt als soziales, strukturelles und politisches Problem anerkannt wird, können sich Gesellschaften mit deren Ursachen und Folgen produktiv auseinandersetzen und am Schutz vor Gewalt arbeiten. Gewaltformen sind folglich mit gesellschaftlichen Strukturen verbunden und befinden sich gleichsam mit Veränderungen in der Gesellschaft im Wandel. In den letzten Jahrzehnten hat die Geschlechterforschung mit unterschiedlichen analytischen Konzepten dazu beigetragen, deren Funktionieren besser zu verstehen.

Heute bietet die Geschlechterforschung zu Gewalt differenzierte Analysen: zu nennen ist hier z.B. die Abkehr von einfachen vergeschlechtlichten Täter-Opfer-Beschreibungen, die profunde bereits zwei BMBF-Förderphasen umfassende Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt in pädagogischen Kontexten oder das Thema digitale Gewalt und hate speech. Das Internet gilt dabei sowohl als „safe space“ für marginalisierte Gruppen, wie People of Color, Frauen* oder Queers; zugleich sind gerade diese Gruppen und Personen primäres Ziel von digitaler Gewalt, wo – ganz wie im „Wilden Westen“ – das Recht des Stärkeren sich durchsetzt und gilt, während marginalisierte Identitäten zurückgewiesen werden. In Cybersexism: Sex Gender and the Power of the Internet (2013) plädiert Laurie Penny beispielsweise dafür, auch Cybergewalt als Gewalt zu werten. Obwohl der Zusatz ‚Cyber‘ suggeriert, dass diese Form von Gewalt nicht in einem realen Raum stattfindet, dient sie letztendlich dazu Frauen* und andere marginalisierte Gruppen auszuschließen und ihre Stimmen verstummen zu lassen. Im Schlagwort „Cybersexismus“ wird dies zusammengefasst.

An der Schnittstelle von aktuellen Migrations- und Sexualpolitiken lässt sich seit 2016 in rechtspopulistischen, aber auch medialen Alltagsdiskussionen zunehmend eine „Instrumentalisierung von Gewalt“ beobachten: Sexualisierte Gewalt wird Post-Köln als von außen kommend, von Geflüchteten und Migrantisierten ausgehend beschrieben, mithin ethnisiert (vgl. kritisch Dietze 2019; Hark/Villa 2018). Das racial profiling im Alltag, und die vielfachen Gewalterfahrungen auf der Flucht und beim Ankommen, ebenso wie die Zunahme von rassistisch, sexistisch und antisemitisch motivierten Gewalttaten in Deutschland auch im Rahmen der bejubelten Willkommenskultur wird hingegen dethematisiert oder über die ansteigende Angst vor ‚dem Fremden‘ zu legitimieren versucht.

Noch immer ist und bleibt Geschlecht im Zusammenwirken mit race, Ethnizität, Flucht und Migration ein entscheidender Auslöser von Gewalt, zu denen beispielsweise auch rassistische, antisemitische oder sexistische Gewaltphänomene zu zählen sind. Geschlechts- und ethnizitätsspezifische Zuschreibungen spielen eine zentrale Rolle in Kriegskonflikten und bei Grenzziehungen aller Art. Zahlreiche historische Studien zum Krieg, wie zum Beispiel die der Historikerin Miriam Gebhard Als die Soldaten kamen. Die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs (2015), zeigen, wie sexualisierte Gewalt gegen Frauen auf besetzten Territorien als Ausdruck der Eroberung und Beherrschung eingesetzt wurde. Auch bei der gesellschaftlichen Deutung und der sich daraus ergebenden Toleranz von Gewalt sind Geschlecht und/oder Race konstitutiv. Beispielsweise kann eine höhere Gewalttätigkeit oder Gewaltbereitschaft einer rassifizierten oder ethnischen Gruppe zugeschrieben werden, wobei gleichzeitig umgekehrt sexistische Gewalt, häusliche Gewalt oder Formen gewaltdurchzogener Pädagogik toleriert bzw. über einen langen Zeitraum nicht als gesellschaftliches Problem angesehen wurden.

Die Fachgesellschaft Geschlechterstudien zielt mit der Bündelung von Forschungsprojekten und Promotionen darauf, die interdisziplinären Auseinandersetzungen auch mit Gewalt und Macht in Geschlechterverhältnissen aufzuzeigen und zu einer empirisch fundierten Diskussion beizutragen, die gegen kulturalisierte Zuschreibungen argumentiert. Gegenwärtig untersuchen verschiedene Projekte in den Gender Studies mit Formen struktureller, epistemischer und symbolischer Gewalt, mit psychischer und schließlich auch physischer Gewalt in ihren je spezifisch situierten Artikulationsweisen. Über gegenwärtig laufende und bereits abgeschlossene Forschungs- und Promotionsprojekte in diesem Forschungsfeld informiert die Homepage der FG Geschlechterstudien unter der Rubrik Forschung.

#4genderstudies: Wissenswertes zum Wissenschaftstag (18.12.)

Liebe Fachgesellschaft,

die afg hat eine neue Website auf der wir (in unserem Gender Kalender) auch alle Veranstaltungen der Berliner Hochschulen am 18. Dezember sammeln: www.afg-berliner-hochschulen.de

Viele Grüße!

Magdalena Beljan

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Dr. Magdalena Beljan
Geschäftsführung (im Tandem)

Arbeitsgemeinschaft der Frauen- und Geschlechterforschungseinrichtungen Berliner Hochschulen (afg)
– Geschäftsstelle –
Technische Universität Berlin

 

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Veranstaltungen zum Wissenschaftstag am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung

Welt in Scherben?

Politiken der Feindschaft und ein ›Denken von Anderswo‹ 
18. Dezember 2019 von 15-20 Uhr
bauhaus reuse, Ernst Reuter-Platz, Berlin
Zugang über U2-Bahnhof, Ausgang Mittelinsel
15-17 Uhr // Podiumsgespräch // Toxische Verbindungen

Antisemitismus, Antifeminismus, Rassismus, Männlichkeit und rechte Gewalt.
Ein Podiumsgespräch mit Iman Attia (Alice Salomon Hochschule Berlin), Yael Kupferberg (TU Berlin), Hedwig Richter (Hamburger Institut für Sozialforschung),
Eike Sanders (apabiz Berlin), Stefanie Schüler-Springorum (TU Berlin).
Moderiert von Sabine Hark (TU Berlin) und Sasha Marianna Salzmann (Berlin)
18-20 Uhr // Buchvorstellung // Fremdheiten und Freundschaften. Essays.

Christina Thürmer-Rohr im Gespräch mit Sahra Dornick (TU Berlin) und Aline Oloff (TU Berlin)
Im Anschluss Brezel und Wein

Ort der Veranstaltung ist das re:use auf dem Ernst-Reuter Platz.

Alle weiteren Infos auf dem angehängten Flyer.

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Liebe Kolleg_innen,

für dieses Jahr haben wir uns – Inga Nüthen (Philipps-Universität Marburg), Heike Pantelmann und Sabina García Peter (Margherita-von-Brentano-Zentrum, Freie Universität Berlin) – eine kollektive Video-Aktion überlegt. Als Mitstreiter*innen konnten wir bis jetzt schon Kolleg*innen an der HAW Hamburg und der Universität zu Köln gewinnen.

Unsere Idee: Wir möchten verschiedene Hochschulakteur*innen in unserem Umfeld um kurze Video-Statements bitten, die wir dann am 18.12 in verschiedene Sozial-Media-Kanäle veröffentlichen wollen. Es ist außerdem geplant aus allen Videos ein Kurzfilm zusammenschneiden.

Um eine Reihe ähnlicher Videos zu produzieren, schlagen wir vor die Interviewten darum zu bitten folgenden Satz vervollständigen:

„Geschlechterforschung ist für eine demokratische Gesellschaft wichtig, weil…“

Wir wollen versuchen, knackig-kurze und doch angemessene, auf Komplexität hinweisende Video-Statements einzufangen (max. 3-4 Sätze/60 Sekunden), die die Bedeutung der Geschlechterforschung deutlich machen.  Alle die sich an der Video-Aktion beteiligen wollen, sind eingeladen, selbst ein kurzes Video zu drehen und zu bearbeiten. Unten finden Sie/findet Ihr einige technische Hinweise, wie Sie/Ihr das einfach selbst umsetzten können/könnt. Falls es Unterstützungsbedarf gibt, können Sie sich/könnt Ihr Euch auch an: sabina.garcia.peter@fu-berlin.de wenden– wir helfen gerne!

Die Pressestelle der Freien Universität Berlin wird eine – neutrale! – Intro-Grafik/Animation für uns bereit erstellen, die es ermöglicht, den Video-Statements ein einheitliches Gesicht zu geben. Wenn Sie/Du diese nutzen möchten/möchtest, wenden Sie sich/wende Dich an die oben genannte Mailadresse.

Wenn Sie/Ihr ein Video gedreht haben/habt und wollen/wollt, dass es Teil des längeren Videos wird, dann schicken Sie uns/schickt uns Ihre/Eure Videos bis zum 8. Dezember zu.

Wir würden uns sehr freuen, wenn viele von Ihnen/Euch an dieser Video-Aktion beteiligen – und natürlich über gegenseitige „Likes“, „Retweets“ und „Weiterempfehlungen“. Außerdem bitten wir darum, diese Mail in Ihre/Eure Netzwerke zu verbreiten.

Mit besten Grüßen,

Inga Nüthen – Zentrum für Gender Studies der Universität Marburg (Twitter: @genderzukunftMR)

und

Heike Pantelmann / Sabina García Peter – Margherita-von-Brentano-Zentrum, FU Berlin

(Twitter, Instagram: @mvbz_fuberlin / Facebook: @MvBZ.FUBerlin)

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Lieber Vorstand der Fachgesellschaft,
anbei eine Ankündigung von Aktivitäten für den 18.12.
Ich mache an diesem Tag mit meinen Studierenden gemeinsam ein interaktives Seminar mit dem Titel:

„Geschlechterstereotype gestern und heute. Perspektiven von Studierenden“
von 9-12 Uhr, im Raum B 4.42 (HWR, Badenschestr. 50-51)

Gäste sind herzlich eingeladen. Es wäre schön, wenn Sie das in Ihre Liste mit aufnehmen könnten.
Mit feministischen Grüßen
Claudia Gather

Positionspapier „Gemeinsam für eine geschlechtergerechte, vielfältige Wissenschaft: Antifeministischen Positionen entgegentreten!“

Der Vorstand der Fachgesellschaft Geschlechterstudien unterstützt das Positionspapier „Gemeinsam für eine geschlechtergerechte, vielfältige Wissenschaft: Antifeministischen Positionen entgegentreten!“ der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen (bukof) in vollem Umfang und schließt sich den dortigen Forderungen nach einer strukturell abgesicherten Gleichstellungspolitik und Chancengleich in Wissenschaft und Forschung uneingeschränkt an. Als Fachgesellschaft positionieren wir uns gegen antifeministischen Diffamierungen und treten für Gleichstellung als Merkmal von Wissenschaft und Hochschule ein. Für Rückfragen, Beratung und Unterstützung stehen wir jederzeit zur Verfügung (mail@fg-gender.de).
Der Vorstand der Fachgesellschaft Geschlechterstudien
Prof. Dr. Elisabeth Tuider, Prof. Dr. Irina Gradinari, Prof. Dr. Beate Binder, PD Dr. Stephan Trinkaus, Dr. Hannah Fitsch, Ksenia Meshkova, Marcel Wrzesinski

Statement der Fachgesellschaft Geschlechterstudien zum Wissenschaftstag 2018

Über 120 Promotions- und über 100 weitere Forschungsprojekte auf der Homepage der Fachgesellschaft Geschlechterstudien belegen Vielfalt, Aktualität, Ertrag und Relevanz der Geschlechterforschung.

Deutlich zeigen diese Projekte, dass die Geschlechterstudien ein heterogenes trans- wie interdisziplinäres Forschungsfeld bilden, in dem aus verschiedenen theoretischen Perspektiven und mit unterschiedlichen methodischen Werkzeugen die gesellschaftliche Bedeutung von Gender und die vielfältigen Ausgestaltungen von Geschlechterverhältnissen analysiert werden.

Aktuelle Projekte fragen etwa nach den Auswirkungen der Digitalisierung des Alltags auf Geschlechterbilder und -verhältnisse, sie untersuchen die Zukunft der Arbeit und neue Familienkonstellationen, setzen sich mit der Einführung des 3. Geschlechtseintrags auseinander und erheben Daten zum demographischen Wandel. Auswirkungen auf Geschlechterkonstellationen werden auch mit Blick auf erneuerbare Energien etwa in Ländern des Globalen Südens oder unter Bedingungen von Austeritätspolitiken erforscht. In Kooperation mit Geschlechterforscher*innen werden gegenwärtig darüber hinaus von Bundes- und Landesinstitutionen geschlechtersensible Maßnahmen zur Gesundheitsprävention wie zur gesunden Ernährung entwickelt. In allen diesen Forschungsprojekten werden gesellschaftliche Problemlagen und Fragestellungen aufgegriffen. Diese werden insbesondere in der kritischen Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt sichtbar, die nicht erst seit #MeToo und der Kölner Silvesternacht von 2016 einen wichtigen Forschungsstrang der Geschlechterstudien darstellt. Gegenwärtig widmen sich verschiedene Forschungsprojekte der Analyse von Gewalt als gesellschaftlicher Struktur, als Interaktionsmuster und Ordnungsmacht. Grundlegend fragt das BMBF Verbundprojekt „Schutzkonzepte in der Kinder- und Jugendarbeit“, das seit August an den Hochschulen Kiel, Hildesheim, Landshut und Kassel arbeitet, was Jugendliche eigentlich als sexualisierte Gewalt einschätzen, und wie dementsprechend Schutzkonzepte der Kinder- und Jugendarbeit zu entwickeln sind. Im Anschluss an geschlechtersensible Analysen von Gewalt wird u.a. auch nach konkreten Umgangsweisen und Interventionen gesucht, so z.B. die Studie „Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz – Lösungsstrategien und Maßnahmen zur Intervention“, die im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes entstand. Ziel ist es hier, nachhaltige Präventionsmaßnahmen zu implementieren, um der sexuellen Belästigung von Arbeitnehmer*innen am Arbeitsplatz entgegenzutreten.

Da es oftmals konkrete Problemlagen und Fragestellungen sind, die in den Geschlechterstudien bearbeitet werden, konnten Forscher*innen für ihre Projekte Mittel der Europäischen Union, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie verschiedener Landesministerien und Stiftungen einwerben. Andere finanzieren ihre Forschungen durch Eigenmittel. Methodisches Instrumentarium, theoretische Konzepte und Erkenntnispotentiale der Gender Studies werden durch und in diesen Forschungen ständig weiterentwickelt. Damit stellen die Gender Studies ein Wissenschaftsfeld dar, das Antworten auf drängende gesellschaftliche Fragen zu liefern vermag.

Die Heterogenität der Geschlechterstudien wie auch das Erkenntnispotenzial der Geschlechterforschung zeigen sich nicht zuletzt darin, dass diese analytische Perspektive in vielen Fachdisziplinen verankert wurde, was die jeweiligen erkenntnistheoretischen wie methodischen Herangehensweisen ohne Zweifel bereichert und erweitert hat: In Bildungswissenschaft, (Europäischer) Ethnologie/Kulturanthropologie, Geschichtswissenschaft, Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft, Naturwissenschaften, Rechtswissenschaft, den Philologien, der Philosophie, Soziologie, Wirtschafts- und Technikwissenschaft u.v.m. stellen Fragestellungen und Perspektiven der Gender Studies eine wichtige Erkenntnisperspektive dar. Geschlechterforschung zeichnet sich mithin durch ihre inter- und transdisziplinäre Ausrichtung aus. Verbindendes Element ist jedoch die Frage nach den Effekten und Funktionsweisen von Geschlecht als Struktur- und Ordnungskategorie und als performative Kraft gesellschaftlicher (Re-)Produktion sowie die damit verbundene Einsicht, dass Geschlecht auf vielfältige Weise mit anderen, sozial wirksamen Kategorisierungen verwoben ist. Wie und wo Gender wirksam wird, wie und wo es außer Kraft gesetzt wird, das sind offene Fragen, die theoretische wie empirische Antworten erfordern. Gemeinsames Ziel ist es, auf Muster und Strukturen, Wirkungen und Effekte aufmerksam zu machen, die in Vergangenheit und Gegenwart an unterschiedlichen Orten Geschlechterverhältnisse als Ungleichheitsverhältnisse hervorbringen. Offengelegt werden komplexe sozioökonomische und kulturelle Zusammenhänge, deren Dynamik und/oder Persistenz, deren Regeln und Besonderheiten jeweils lokal wie historisch situiert sind.

Die Fachgesellschaft trägt weiterhin dazu bei, die Erkenntnisse und Potenziale der Geschlechterforschung kostenfrei und öffentlich zugänglich machen. Aktuell können im „Open Gender Journal“ wissenschaftliche Diskussionen und Forschungsergebnisse barrierearm publiziert und unter freier Lizenz abgerufen werden. Das Journal ist Teil der neu gegründeten, von der Fachgesellschaft getragenen „Open Gender Platform“ (gefördert durch das BMBF), innerhalb der das Margherita-von-Brentano-Zentrum (FU) seit Juni 2018 zu den sich verändernden Publikationsbedingungen forscht und nachnutzbare Open-Access-Lösungen für alle Forschenden zur Verfügung stellt. Auch das Verbundprojekt „GenderOpen – Ein Repositorium für die Geschlechterforschung“ sichert die Erträge der Geschlechterforschung und macht sie elektronisch verfügbar. In Zusammenarbeit dreier Berliner Universitäten und von der DFG gefördert, bauen das Margherita-von-Brentano-Zentrum (FU), das Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien (HU) und das Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (TU) gemeinsam dieses disziplinäre Repositorium auf.

Interessierte wie Wissenschaftler*innen laden wir herzlich zur Jahrestagung der Fachgesellschaft Geschlechterstudien ein. Hier erhalten Sie Einblicke in die unterschiedlichen genannten Forschungsprojekte und können mit uns die Geschlechterstudien als Wissensgebiet und Wissenschaftsfeld weiterentwickeln. Die nächste Jahrestagung findet vom 4.-6. Juli 2019 an der FernUniversität in Hagen statt und widmet sich methodischen, methodologischen und theoretischen Fragen und Ansätzen der Geschlechterforschung: http://www.fernuni-hagen.de/tagung-fg-gender/

Der Vorstand der Fachgesellschaft Geschlechterstudien

(Statement als PDF)

Fragen an die Gender Studies?! „Many Shades of Gender“ gibt Antworten…

Sind Geschlechtsunterschiede nicht angeboren? Wieso müssen die Gender Studies alles gendern? Bedeutet die Emanzipation von Frauen nicht vor allem Nachteile für Männer? Auf diese und viele andere Fragen geben die FAQs „Many Shades of Gender“ des Lehrstuhls Soziologie und Gender Studies an der LMU München spannende Antworten.

 

#4genderstudies (18. Dezember 2018)

#4genderstudies: Wissenschaftstag Gender Studies

Am 18.12.2018 findet erneut der Wissenschaftstag Gender Studies statt. Der Vorstand der Fachgesellschaft unterstützt diese öffentlichkeitswirksame Aktion und möchte dazu anregen, sich individuell und/oder institutionell mit dem Hashtag #4genderstudies zu beteiligen. An verschiedenen Standorten sind hierzu vorab Informationsveranstaltungen geplant.

Weitere Informationen finden Sie hier zeitnah.

Protest against the law to forbid the teaching of Gender Studies in Hungerian Universities

To: Minister of Education Mr. Jozsef Bodis jozsef.bodis@emmi.gov.hu

Dear Minister, Mr. Jozsef Bodis,

On Monday we learned from German media that the Hungarian government recently proposed a law, which would cancel accredited, well-performing Gender Studies MA programmes, one of which has consistently high enrolments since it was founded 2006, the second one has recently been established (2017). Hungarian Gender Studies programmes also participate in European exchange programmes. As a result, many of our German colleagues (as we ourselves) have had the chance to meet Hungarian colleagues and supervise MA as well as PhD students in Gender Studies coming from Hungary to German universities. This exchange practice has led to longstanding academic relationships including research and teaching co-operations. We know our colleagues and are aware of how scientifically thorough and needed their work is.

We write to you today to protest against this decision. Never before has a democratic government sought to legislate the curriculum of universities without consultation with appropriate university institutions. Furthermore, according to The Hungarian Journal, “the part of the amendment which concerns gender studies provides no explanation whatsoever. Two universities are concerned: Hungary’s biggest state-funded university ELTE, and the Central European University. If the amendment becomes official, it will mean that nobody can attend gender studies courses in Hungary and get a degree in the subject.”

It also sets a dangerous precedent for state intervention in all other university courses.  By denying to faculty and administrators the academic freedom that is the guarantee of the autonomy of higher education, the Hungarian government puts itself outside the community of democratic nations.

We call upon the Minister of Education to refuse this amendment. We also call upon the European Union, of which Hungary is a member nation, to condemn this action as a violation of its principles. And we call upon academic institutions in our own countries to join our protest.

Sincerely,

Sabine Grenz, Chair
Susanne Völker, Vice-chair
Sarah Elsuni, Treasurer
Göde Both, Board Member

100 Projekte zeigen Vielfalt der Geschlechterforschung

Deutsche Fachgesellschaft Geschlechterstudien veröffentlicht Liste von Forschungsprojekten ihrer Mitglieder

Pressemitteilung als PDF-Dokument

Die deutsche Fachgesellschaft Geschlechterstudien hat über 100 Forschungsprojekte ihrer Mitglieder auf ihrer Website veröffentlicht, die in dem Zeitraum von 2010 an durch Drittmittel gefördert wurden und werden. Vorgestellt werden Projekte, die unter anderem mit Mitteln der Europäischen Union, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie verschiedene Landesministerien und Stiftungen sowie durch Eigenmittel finanziert wurden (oder noch werden).

„Das Ziel der Aufstellung ist es, die Vielfalt der wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich der Gender Studies sichtbar zu machen.“, so Univ.-Prof. Dr. Sabine Grenz, erste Sprecherin der Fachgesellschaft und Professorin für Gender Studies an der Universität Wien. Als wesentlicher Bestandteil verschiedener Disziplinen begleiten, strukturieren und konkretisieren die Gender Studies unterschiedliche Forschungsfelder. Die Forschungsthemen reichen von geschichtswissenschaftlichen Untersuchungen über geschlechtersensible Gesundheitsvorsorge und Karrierepfade in den Natur- und Technikwissenschaften bis zu sexualisierter Gewalt. „Die empirischen Projekte zeigen deutlich, dass Geschlechterforschung an aktuelle Fragen und Herausforderungen wie z.B. die Wandlungen der Arbeitswelt, die Finanzkrise oder die Digitalisierung des Alltags ansetzt und empirische wie auch theoretische Antworten für Politik, Gesellschaft und Medien liefert“, so Prof. Dr. Susanne Völker, zweite Sprecherin der Fachgesellschaft und Professorin für Methoden der Bildungs- und Sozialforschung an der Universität zu Köln.

Die Liste kann auf der Website der Fachgesellschaft Geschlechterforschung unter https://www.fg-gender.de/forschung abgerufen werden.

Rückfragehinweis:

mail@fg-gender.de

Fachgesellschaft Geschlechterstudien e.V.

c/o TU Berlin
Zentrum Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG)
Sekr. MAR 2-4
Marchstraße 23
10587 Berlin

Leser*innenbrief des Vorstands an die Redaktion der FAZ

Leser*innenbrief als PDF-Dokument

Thomas Thiel beschwört in seinem Artikel „Der Konformismus des Andersseins“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.11.17) vom einen vermeintlichen Streit innerhalb des interdisziplinären Feldes der Geschlechterforschung herauf, der zwischen moralischer Kritik und seriöser (empirischer) Wissenschaft bestehen soll. Vermeintlich beherrschen die seiner Meinung nach wenig wissenschaftlich fundierten Queer Studies das Feld, während die seiner Auffassung zufolge besseren wissenschaftlichen Arbeiten marginalisiert würden. Als Vorstand der Fachgesellschaft Geschlechterstudien möchten wir mit diesem Brief darauf hinweisen, dass diese Darstellung keineswegs den Realitäten im interdisziplinären Feld der Gender-Studies entspricht, sondern mangelnde Kenntnisnahme durch den Autor zeigt. „Leser*innenbrief des Vorstands an die Redaktion der FAZ“ weiterlesen

Eingangsstatement der Konferenz „Aktuelle Herausforderungen“

Eröffnung der gemeinsamen Konferenz der D-A-CH Fachgesellschaften für Geschlechterforschung/-studien vom 28.-30.09.2017 in Köln

Susanne Völker, 1. Sprecherin der Fachgesellschaft Geschlechterstudien (D)

Statement als PDF-Dokument

1. Unbegrenzbare Herausforderungen

Wir erleben gegenwärtig Zeiten, in denen globale Probleme und Ungerechtigkeiten keineswegs abgebaut werden, sondern sich noch zuspitzen wie  der  milliardenfache Ausschluss von Menschen von grundlegenden Ressourcen und Infrastrukturen zeigt: Hunger bleibt ein Problem – vor allem im globalen Süden; Kriege bestimmen und zerstören das Leben vieler, ungenannt bleibender Individuen, Menschen, die vor Gefahren, Gewalt, Verfolgung und Mangel fliehen, werden durch die verschiedenen Abschottungspolitiken europäischer Länder Not und Tod ausgesetzt. Weltweit – in unterschiedlichen Ausmaßen – haben wir es mit der Verweigerung, dem Verlust und Abbau von demokratischen Rechten zu tun, häufig motiviert durch Rassismus und kulturelle, religiöse und soziale Differenzsetzungen, durch Sexismus, durch Diskriminierung aller, die dem Raster der Zweigeschlechtlichkeit, den Gesetzen heteronormativen Begehrens nicht entsprechen… – wollen.

„Eingangsstatement der Konferenz „Aktuelle Herausforderungen““ weiterlesen