Gender Studies im Labor? Eine Replik auf Stefan Hirschauers „Wozu Gender Studies?“

Im Juni 2016 hat das Interdisziplinäre Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Greifswald anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Geschlechterforschung in Mecklenburg Vorpommern die Podiumsdiskussion „Wozu Gender Studies?“ organisiert. In diesem Rahmen hat die stellvertretende Vorsitzende Sabine Grenz eine kurze Replik auf Stefan Hirschauers gleichnamigen Text „Wozu Gender Studies?“ gehalten, der 2014 in der DHV-Zeitschrift Forschung & Lehre veröffentlicht wurde. In ihrer Replik geht sie auf die Frage ein, ob Gender Studies in einen „politischen“ und einen „wissenschaftlichen“ Zweig aufgespalten werden sollten bzw. können. Sie legt dar, dass Erwartungen an wissenschaftliche „Reinheit“ und „Neutralität“ historisch gewachsen und von gesellschaftlichen Normvorstellungen beeinflusst sind und argumentiert, dass Gender Studies als ein breites, in sich differenziertes Feld gesehen werden müssen, in dem sowohl Grundlagen- als auch Anwendungsforschung in vielen verschiedenen Forschungsbereichen stattfindet. Wie es auch in anderen Wissenschaften Verknüpfungen etwa zu technischen Innovationen gibt, sind auch bei Gesellschaftswissenschaften wie den Gender Studies Rückkopplungen zu gesellschaftlichen „Anwendungen“ sowohl unvermeidbar als auch wünschenswert.

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Serie Gender in der Forschung

Warum biblische Theologie und ein modernes Geschlechterbild durchaus zusammengehören
Von Claudia Janssen
Von Christine Bauhardt
Handelnde und leidende Menschen: Warum Geschlechtergeschichten in den Geschichtsunterricht gehören
Von Martin Lücke
Ehe, Macht, Begehren: Seit der Antike interessieren sich Philosophen für die Geschlechterverhältnisse
Von Susanne Lettow
Die Familie wird wichtiger, im Job werden Frauen zur Konkurrenz: Der gesellschaftliche Wandel fordert Männer heraus, sich neu zu positionieren.
Von Michael Meuser
Junge Migranten treten als Machos auf, obwohl sie das beim Aufstieg behindert. Anerkennung finden sie nach eigenen, traditionell geprägten Regeln.
Von Ahmet Toprak
Sexualität und sexualisierte Gewalt in Kita und Schule: Die meisten Pädagogen sind darauf nicht vorbereitet.
Von Heinz-Jürgen Voß
Oft wird behauptet, Biologie stehe im krassen Widerspruch zur Genderforschung. Das ist falsch. Beide sollten zusammenarbeiten.
Von Kerstin Palm
Gegen die Geschlechterforschung wird massiv gehetzt – aber an den Fakten vorbei. Worum es in den Gender Studies wirklich geht.
Von Ilse Lenz

Stellungnahme zum Schwerpunkt „Gender“ in der Zeitschrift des Deutschen Hochschulverbandes Forschung und Lehre

Die Zeitschrift des Deutschen Hochschulverbandes Forschung und Lehre (November 2014) hat den Schwerpunkt Gender. Für die inter-/transdisziplinäre Geschlechterforschung leisten die Beiträge der Autorinnen Andrea Geier, Bettina Hannover, Carmen Leicht-Scholten und Bettina Pfleiderer aus der Perspektive ihrer jeweiligen (inter-)disziplinären Verortungen eine informative, sachliche und kontroverse Bestandsaufnahme. Diesen Beiträgen ist bedauerlicherweise ein polemischer Artikel von Stefan Hirschauer vorangestellt, der nicht nur den Anspruch der Deutungshoheit über das gesamte Forschungsgebiet erhebt, sondern Gender Studies vom ‚Makel‘ des Feminismus zu ‚reinigen‘ sucht und ein Wissenschaftsverständnis postuliert, das weit hinter die selbstreflexiven Potentiale der Gender und Queer Studies zurückfällt. Eines unserer Mitglieder, der Kultur- und Medienwissenschaftler Stephan Trinkaus, hat diesen Artikel auf eine Weise kommentiert, der wir uns als Vorstand anschließen können. Daher möchten wir ihn an dieser Stelle allen Mitgliedern der FG und allen anderen Interessierten zugänglich machen.

Wissenschaft braucht den Feminismus nicht

Der Mainzer Soziologe und Genderforscher Stefan Hirschauer hat einen Artikel in der Zeitschrift eines akademischen Interessenvertretungsverbands veröffentlicht, in dem er die Gender Studies in drei Teile gliedert:

„Stellungnahme zum Schwerpunkt „Gender“ in der Zeitschrift des Deutschen Hochschulverbandes Forschung und Lehre“ weiterlesen