CFP: Tagung „Sexualitäten sammeln. Von Körperpraktiken, Beziehungen und grenzüberschreitenden Objekten“ (24.-25.02.21; Deutsches Hygiene-Museum Dresden)

Wenn von „der“ Pille gesprochen wird, weiß jede*r was gemeint ist. Sex Toys gibt es in Drogerien in unterschiedlicher Ausführung und ohne diskrete Verpackung zu kaufen. Diese und andere Objekte sind im Alltag präsent, prägen Sexualität und sind gleichzeitig Ausdruck sich verändernder Ordnungen des Sexuellen. Im Fokus der Tagung steht die materielle Kultur der Sexualitäten aus sammlungspraktischer Perspektive unter Einbeziehung historischer, kultur- und sozialwissenschaftlicher Forschungen.

Das Konzept materielle Kultur verweist auf ein komplexes Netz vielfältiger Mensch-Ding-Beziehungen. Eine genauere Auseinandersetzung mit Sexualitätsdingen ermöglicht es, mehr darüber zu erfahren, inwiefern diese nicht nur ein Niederschlag von sich wandelnden Diskursen um Sexualitäten sind, sondern auch darüber, wie sie einen selbstständigen Beitrag zu Kulturen und Gesellschaften leisten. Mit der Verwendung des Plurals Sexualitäten soll die Vielfalt sexueller Praktiken und Identitäten sichtbar gemacht werden.

Sexualitätsdinge begegnen uns als eigensinnige Objekte (Peter Hahn), diskrete Wesen (Peter Geimer) mit mehrfachen Gebrauchsdimensionen und als Akteure in Netzwerken (Bruno Latour). Wir treten mit Sexualitätsdingen in Intra-Aktionen (Karen Barad). Sie machen uns zu Cyborgs (Donna Haraway) und können dabei die Grenzen des menschlichen Körpers und der Geschlechter verschwimmen lassen (Paul B. Preciado) oder auch im doing gender durch Technisierung (Sabine Kienitz) vergeschlechtlichte Körper hervorbringen. Die Nutzung von Sexualitätsdingen schafft Körper-, Geschlechter- und Sexualwissen. Sie verändert Sexual- und Beziehungspraktiken und ist auf das Engste mit Subjektentwürfen verknüpft.

Die Tagung „Sexualitäten sammeln. Von Körperpraktiken, Beziehungen und grenzüberschreitenden Objekten“ beschäftigt sich mit verschiedenen Sexualitätsdingen. Mit Verhütungs-, Schutz-, Hilfsmittel sowie mit Sexspielzeug und Medikamenten, die Sexualität und/oder Geschlecht „regulieren“, ebenso wie mit immateriellen Dingen, beispielsweise Zyklusapps. Von besonderem Interesse sind Sexualitätsdinge in Sammlungen. Was findet sich in diesen materiellen Speichern des kulturellen Gedächtnisses (Thomas Thiemeyer) zum Thema Sexualitäten? Nach welchen, historisch jeweils spezifischen Kriterien, wurden und werden Sexualitätsdinge für Sammlungen ausgewählt? Welche Hegemonien und Vorstellungen von Sexualitäten spiegeln sich wider? Wessen Sexualität wird dokumentiert? Welche Leerstellen ergeben sich aus der Sammlungspraxis? Wie lassen sich diese Objekte finden und erschließen? Und: Was macht ein Ding überhaupt zu einem Sexualitätsding?

Die Tagung findet am 24. und 25. Februar 2021 am Deutschen Hygiene-Museum in Dresden im Rahmen des vom BMBF geförderten Forschungsprojekts „Dinge und Sexualität. Produktion und Konsumtion im 20. und 21. Jahrhundert“ im Verbund mit dem Lehrstuhl für Soziologische Theorien und Kultursoziologie am Institut für Soziologie der Technischen Universität Dresden, dem Institut für Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizin an der Medizinische Hochschule Hannover und dem Schwulen Museum Berlin statt. Das Deutsche Hygiene-Museum verfügt über eine große körperhistorische Objektsammlung, die im Zuge des Teilprojekts „Beziehungsobjekte“ mit Blick auf das Thema Sexualitäten weitergehend erschlossen, erweitert und erforscht wurde. Die Tagung wird die Ergebnisse des Forschungsprojekts mit anderen Forschungsbeiträgen und Sammlungspraktiken ins Gespräch bringen.

Für mehr Informationen: Call_for_Papers_Sexualitäten_sammeln