Cfp_Ad-hoc Gruppe DGS Kongress 2018: Soziologische Perspektiven auf transnationale Reproduktionsökonomien (Frist 20.5.18)

Hallo liebe Hildegard Hantel,

 Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie den CfP für unsere ad-hoc Gruppe auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Göttingen zum Thema „Soziologische Perspektiven auf transnationale Reproduktionsökonomien: Reproduktive Praktiken und ihre globalen Verflechtungen“ über den Verteiler der Fachgesellschaft Gender verschicken könnten.

Haben Sie vielen Dank!

 Herzliche Grüße,

Julia Teschlade

 Call for Papers: Ad-hoc Gruppe auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie

„Soziologische Perspektiven auf transnationale Reproduktionsökonomien: Reproduktive Praktiken und ihre globalen Verflechtungen“  (Göttingen, 24.- 28.9.2018)

 Unser Alltagsverständnis von menschlicher Fortpflanzung, Abstammung, Vererbung oder Verwandtschaft wird immer wieder durch technologische Neuerung herausgefordert: 2016 kam das erste „Drei-Eltern-Baby“ zur Welt, das mithilfe eines Mitochondrien-Transfers gezeugt wurde. „Egg freezing“ erlaubt es Frauen, eine Familiengründung auf einen späteren biographischen Zeitpunkt zu verschieben. Lesbische Paare können sich die „Mutterschaft“ ihres Kindes teilen, wenn eine Frau die Eizelle spendet und die andere das Kind austrägt. Schwule Paare können sich mithilfe einer Leihmutterschaft ihren Kinderwunsch erfüllen. Während die familialen Praktiken der Akteur_innen lokal verortet sind, finden ihre reproduktiven Praktiken aufgrund nationaler rechtlicher Einschränkungen oft im Ausland statt. Hier kreuzt sich das Lokale mit dem Transnationalen sowie das vermeintlich Natürliche mit künstlichen und technischen Prozessen, die immer auch sozial vermittelt sind. Gleichzeitig verlagern Technologien und Globalisierung Reproduktion aus dem Privaten in die öffentliche und ökonomische Sphäre.

 In der Soziologie werden Reproduktion und Reproduktionsarbeit bisher v.a. im Kontext von Erwerbsarbeit diskutiert. In der arbeits- und geschlechtersoziologischen Diskussion stehen die fehlende Anerkennung von Reproduktionsarbeit und die Verschleierung kapitalistischer Ausbeutungen weiblicher Arbeitskraft im Vordergrund. Weniger beschäftigt sich soziologische Forschung hingegen mit Reproduktion als Prokreation und Fortpflanzung. Die deutsche Familiensoziologie beschäftigt sich u.a. mit Kernfamilien und Fertilitätsverhalten, interessiert sich aber weniger für die gesellschaftliche Bedingtheit dessen, was als „das Natürliche“ gilt.

 Antworten auf Fragen, die die sich zunehmend global verstrickenden Möglichkeiten der medizinisch assistierten Reproduktion aufwerfen, werden den Naturwissenschaften, der Anthropologie, (Bio-)Ethik oder Rechtswissenschaft überlassen. Dabei vergibt sich soziologische Forschung die Möglichkeit, den Blick auf transnationale soziale Ungleichheiten zu richten sowie sich auf mikrosoziologische Spurensuche zu begeben: Was bedeuten diese Entwicklungen für familiale und reproduktive Praktiken? Welche neuen familialen Beziehungen entstehen aufgrund von Reproduktions- technologien? So werden Samen- und Eizellspenderinnern sowie Tragemütter bisher kaum in familiensoziologischen Studien berücksichtigt. Lokale familiale Praktiken sind sowohl auf der Beziehungs- als auch auf der ökonomischen Ebene global verflochten. Es kommt sowohl zu einer kapitalistischen Inwertsetzung von Körperstoffen, wenn eine Frau im Ausland dafür Geld bekommt, dass sie ihre Gameten spendet als auch zu neuen Praktiken des Elternwerdens, wenn ein amerikanisches Gericht eine Geburtsurkunde auf zwei Väter ausstellt.

 Diese wachsenden Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin stellen nationale Regierungen vor die Herausforderung, rechtliche Regelungen zu formulieren, was eine Familie ist und wer wie eine Familie mit Kindern gründen darf. Reproduktionstechnologien stellen heteronormative und essentialistische Konzeptionen von Reproduktion, Familie und Sexualität grundsätzlich infrage. Diese gesellschaftlichen Veränderungen bringen zugleich Unbehaglichkeiten und eine Befreiung aus dem heterosexuellen Paradigma der Fortpflanzung mit sich. Sie sind mit Ambivalenzen verbunden, die für manche Menschen mehr Freiheiten bringen, während die Freiheit und Rechte anderer Menschen gefährdet werden.

 Diese komplexen Verflechtungen bedürfen einer soziologischen Perspektive, die globale soziale Ungleichheiten, die sozialen Praktiken und Positionierungen der Akteur_innen sowie die biopolitischen Implikationen in den Blick nimmt. Wie werden Ungleichheiten im transnationalen Raum von intersekt- ionalen Differenz(ierungs)linien wie Geschlecht, Sexualität, Ability, Alter, sozioökonomischer Stellung und Race, geprägt?

 Folgende Fragen werden im Rahmen der ad-hoc Gruppe diskutiert:

     • Wie können komplexe Verflechtungen von Ökonomie, Recht, Politik, Ethik hinsichtlich einer Regulierung der Reproduktion und des Intimen soziologisch analysiert werden?

    • Was bedeuten neue familiale und reproduktive Praktiken für Elternschaft, Familie und Verwandtschaft?

    • Welche sozialen Ungleichheitsstrukturen sind in den transnationalen Prozessen der Reproduktionsökonomie auszumachen?

    • Was sind soziale und gesellschaftspolitische Implikationen, wenn Ökonomisierung und neoliberales Denken auf biologisches Material wie Gameten angewendet wird?

 Wir freuen uns über Abstracts zu den oben genannten oder darüberhinausgehenden Fragestellungen (max. 2400 Zeichen inkl. Leerzeichen). Bitte senden Sie das Abstract bis zum 16.4.2018 an Julia Teschlade (julia.teschlade@hu-berlin.de <mailto:julia.teschlade@hu-berlin.de>) und Dr. Almut Peukert (almut.peukert@hu-berlin.de <mailto:almut.peukert@hu-berlin.de>). Wir werden Ihnen bis zum 23.4. eine Rückmeldung zu Ihrem eingereichten Beitrag geben. Bis zum 11. Mai müssen die angenommenen Abstracts (max. 2400 Zeichen inkl. Leerzeichen) durch die jeweiligen Referent_innen im Buchungssystem des Kongresses hochgeladen werden. Ab dem 20. Mai können wir genauere Angaben zum Tag und zur Uhrzeit der ad-hoc Gruppe machen.

Unser Alltagsverständnis von menschlicher Fortpflanzung, Abstammung, Vererbung oder Verwandtschaft wird immer wieder durch technologische Neuerung herausgefordert: 2016 kam das erste „Drei-Eltern-Baby“ zur Welt, das mithilfe eines Mitochondrien-Transfers gezeugt wurde. „Egg freezing“ erlaubt es Frauen, eine Familiengründung auf einen späteren biographischen Zeitpunkt zu verschieben. Lesbische Paare können sich die „Mutterschaft“ ihres Kindes teilen, wenn eine Frau die Eizelle spendet und die andere das Kind austrägt. Schwule Paare können sich mithilfe einer Leihmutterschaft ihren Kinderwunsch erfüllen. Während die familialen Praktiken der Akteur_innen lokal verortet sind, finden ihre reproduktiven Praktiken aufgrund nationaler rechtlicher Einschränkungen oft im Ausland statt. Hier kreuzt sich das Lokale mit dem Transnationalen sowie das vermeintlich Natürliche mit künstlichen und technischen Prozessen, die immer auch sozial vermittelt sind. Gleichzeitig verlagern Technologien und Globalisierung Reproduktion aus dem Privaten in die öffentliche und ökonomische Sphäre.

 In der Soziologie werden Reproduktion und Reproduktionsarbeit bisher v.a. im Kontext von Erwerbsarbeit diskutiert. In der arbeits- und geschlechtersoziologischen Diskussion stehen die fehlende Anerkennung von Reproduktionsarbeit und die Verschleierung kapitalistischer Ausbeutungen weiblicher Arbeitskraft im Vordergrund. Weniger beschäftigt sich soziologische Forschung hingegen mit Reproduktion als Prokreation und Fortpflanzung. Die deutsche Familiensoziologie beschäftigt sich u.a. mit Kernfamilien und Fertilitätsverhalten, interessiert sich aber weniger für die gesellschaftliche Bedingtheit dessen, was als „das Natürliche“ gilt.

 Antworten auf Fragen, die die sich zunehmend global verstrickenden Möglichkeiten der medizinisch assistierten Reproduktion aufwerfen, werden den Naturwissenschaften, der Anthropologie, (Bio-)Ethik oder Rechtswissenschaft überlassen. Dabei vergibt sich soziologische Forschung die Möglichkeit, den Blick auf transnationale soziale Ungleichheiten zu richten sowie sich auf mikrosoziologische Spurensuche zu begeben: Was bedeuten diese Entwicklungen für familiale und reproduktive Praktiken? Welche neuen familialen Beziehungen entstehen aufgrund von Reproduktions- technologien? So werden Samen- und Eizellspenderinnern sowie Tragemütter bisher kaum in familiensoziologischen Studien berücksichtigt. Lokale familiale Praktiken sind sowohl auf der Beziehungs- als auch auf der ökonomischen Ebene global verflochten. Es kommt sowohl zu einer kapitalistischen Inwertsetzung von Körperstoffen, wenn eine Frau im Ausland dafür Geld bekommt, dass sie ihre Gameten spendet als auch zu neuen Praktiken des Elternwerdens, wenn ein amerikanisches Gericht eine Geburtsurkunde auf zwei Väter ausstellt.

 Diese wachsenden Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin stellen nationale Regierungen vor die Herausforderung, rechtliche Regelungen zu formulieren, was eine Familie ist und wer wie eine Familie mit Kindern gründen darf. Reproduktionstechnologien stellen heteronormative und essentialistische Konzeptionen von Reproduktion, Familie und Sexualität grundsätzlich infrage. Diese gesellschaftlichen Veränderungen bringen zugleich Unbehaglichkeiten und eine Befreiung aus dem heterosexuellen Paradigma der Fortpflanzung mit sich. Sie sind mit Ambivalenzen verbunden, die für manche Menschen mehr Freiheiten bringen, während die Freiheit und Rechte anderer Menschen gefährdet werden.

 Diese komplexen Verflechtungen bedürfen einer soziologischen Perspektive, die globale soziale Ungleichheiten, die sozialen Praktiken und Positionierungen der Akteur_innen sowie die biopolitischen Implikationen in den Blick nimmt. Wie werden Ungleichheiten im transnationalen Raum von intersekt- ionalen Differenz(ierungs)linien wie Geschlecht, Sexualität, Ability, Alter, sozioökonomischer Stellung und Race, geprägt?

 Folgende Fragen werden im Rahmen der ad-hoc Gruppe diskutiert:

     • Wie können komplexe Verflechtungen von Ökonomie, Recht, Politik, Ethik hinsichtlich einer Regulierung der Reproduktion und des Intimen soziologisch analysiert werden?

    • Was bedeuten neue familiale und reproduktive Praktiken für Elternschaft, Familie und Verwandtschaft?

    • Welche sozialen Ungleichheitsstrukturen sind in den transnationalen Prozessen der Reproduktionsökonomie auszumachen?

    • Was sind soziale und gesellschaftspolitische Implikationen, wenn Ökonomisierung und neoliberales Denken auf biologisches Material wie Gameten angewendet wird?

 

Wir freuen uns über Abstracts zu den oben genannten oder darüberhinausgehenden Fragestellungen (max. 2400 Zeichen inkl. Leerzeichen). Bitte senden Sie das Abstract bis zum 16.4.2018 an Julia Teschlade (julia.teschlade@hu-berlin.de <mailto:julia.teschlade@hu-berlin.de>) und Dr. Almut Peukert (almut.peukert@hu-berlin.de <mailto:almut.peukert@hu-berlin.de>). Wir werden Ihnen bis zum 23.4. eine Rückmeldung zu Ihrem eingereichten Beitrag geben. Bis zum 11. Mai müssen die angenommenen Abstracts (max. 2400 Zeichen inkl. Leerzeichen) durch die jeweiligen Referent_innen im Buchungssystem des Kongresses hochgeladen werden. Ab dem 20. Mai können wir genauere Angaben zum Tag und zur Uhrzeit der ad-hoc Gruppe machen.