Gender Studies sowie Genderperspektiven sind als wählbarer Schwerpunkt im Curriculum einer Vielzahl von Studienfächern zunehmend verbreitet. Ihre Etablierung in der deutschsprachigen Hochschul- und Wissenschaftslandschaft ist deutlich sichtbar, wenngleich die Initiative für ihre Anerkennung und ihren Erhalt weiterhin dringend notwendig ist. Für Studierende und Absolvent*innen der Gender Studies zeigt sich nun der Kampf um Anerkennung in ihrer besonderen Situation beruflicher Verortung und mit Blick auf Karriereoptionen. Die AG möchte zur Diskussion über Perspektiven einladen: Wohin lässt sich gehen, mit einem M.A. Gender Studies im Gepäck oder Genderschwerpunkt in einem anderen Fach? Was ist mit einem Abschluss in Gender Studies erreichbar? Welche (inter-/trans-/disziplinären) Identifikationen ermöglicht er? Wo fühlen wir uns in akademischen und nicht-akademischen Kontexten verortet? Wohin führt der Weg einer Promotion in den Gender Studies?
Die AG knüpft an die frühere Initiative »Institutionelle Zukunft und Nachwuchs«[1] an und führt den dort formulierten Gedanken des ‚Sowohl-als-auch‘ in dem Sinn fort, dass Geschlechterstudien sich sowohl als Fach wie auch als disziplinäre Geschlechterforschung realisiert haben. Ihre Existenz ist ebenso Tatsache, wie die prekarisierte Position, die in vielerlei Hinsicht mit Inter- und Transdisziplinarität verbunden ist. Als Absolvent*innen bzw. Berufseinsteiger*innen erleben wir das bekannte Dilemma in der defizitären Beschreibung unserer Profession als ‚zu oberflächlich‘, ‚zu ungenau‘, oder ‚zu unspezifisch‘.
Die AG zielt vor diesem Hintergrund darauf ab, ein Selbstbewusstsein als Geschlechterforscher*innen zu entwickeln und zu stärken. Einen zentralen Aspekt sehen wir darin, dass die Fähigkeit zu Ambivalenz und das ‚Bewegen dazwischen‘ kausal mit inter- und transdisziplinären Perspektiven verbunden sind und dass sie Kompetenz und Vermögen bedeuten, die als solche betont und beworben werden können. Disziplinäre Offenheit und fachliche Beweglichkeit zeichnen die Gender Studies aus und qualifizieren sie für eine Wissenschafts- und Forschungskultur, die jeweils situierte und positionierte Perspektiven beschreiben und anbieten kann. Dieses Profil möchten wir sichtbar machen und als eine ‚Politik der disziplinären Freelancer*innen‘ stärken. Wir stellen einen Bedarf fest, das berufliche Profil von Geschlechterforscher*innen zu schärfen und zu konkretisieren: Welche Qualifikationen werden in den Gender Studies erworben? Wie und wo finden sich inner- wie außeruniversitäre berufliche Optionen? In welchen Kontexten lässt sich Bedarf an Expertise von Absolvent*innen der Gender Studies wecken? Welche öffentlichkeitswirksamen Strategien brauchen wir? Wie können in den Gender Studies erworbene Qualifikationen trotz und mit der Konkurrenz zu anderen Fächern und Disziplinen anerkannt und fruchtbar gemacht werden? Kurz: Wir diskutieren stetig eine Professionalisierung der Un-Spezifik und verstehen dies als Teil der notwendigen Diskussion beruflicher Perspektiven in den Geschlechterstudien.
Neben regelmäßigen Treffen und einzelnen Schwerpunktveranstaltungen richten wir auf der Homepage der Fachgesellschaft virtuelle Räume für Austausch und Vernetzung ein und aus.
Für Kontakt & Anfragen gerne per E-Mail an lkrall[at]uni-koeln.de.
[1] 2012 veröffentlichte die Initiative ein Diskussionspapier: http://www.fg-gender.de/wp-content/uploads/2013/04/IZN_Diskussionspapier-1.pdf, zuletzt aufgerufen: 2015-06-06.



