Queering: Visuelle Kulturen & Intermedialität

Um zu einer weiter ausdifferenzierten und breiter aufgestellten Profilierung der Fachgesellschaft Geschlechterstudien/Gender Studies Association beizutragen, interessieren wir uns als AG für die queer(end)en – d. h. normativierende Bedingtheiten und Effekte überschreitende – Potentiale visueller und intermedialer Kulturen. Zugleich möchten wir mit dem Einbezug des Begriffes des Intermedialen die Erkundung der Komplexität ästhetischer Erfahrung jenseits des rein Visuellen in den Fokus rücken. Ausgangspunkt ist für uns ein enges Wechselverhältnis zwischen LSBTIQ+-Aktivismus, Queer Theory, Visuelle Kulturen und Intermedialität in Theorie und Praxis. Diesbezüglich befassen wir uns mit (trans-/multi-/medialen) Imaginationen, Vorstellungen, Verkörperungen, Inszenierungen, Affekten, Bildern, Bedeutungen, Symbolen und Konstruktionen von Geschlecht, Sexualität und Begehren, die unter spezifischen historischen und politischen Bedingungen in der Gesellschaft entstehen und zirkulieren. Inwiefern kann es mittels visueller und intermedialer Praktiken und Strategien gelingen, normative Hierarchien und Ausschlüsse zu untergraben und dadurch gesellschaftliche Gewalt- und Machtverhältnisse und die mit ihnen verbundene repräsentationelle Ökonomie in Bewegung zu versetzen? Kann so zur Transformation hegemonialer symbolischer (Geschlechter- und Sexualitäts-)Ordnungen beigetragen werden?

Den Begriff Queer(ing) aktivieren wir aus zwei Gründen: erstens, um Aufmerksamkeit für das zu schaffen, was in heteronormativen Prämissen und Normen audio/visueller Kulturen nicht aufgeht; und zweitens, um eine kritische Auseinandersetzung mit den epistemischen und historischen, den wissenschaftlichen und disziplinären Bedingungen des Audio/Visuellen in Alltags- und Populärkultur, Kunst, Medien und Wissenschaft zu ermöglichen. Als transdisziplinäre und politische Methode dient Queer(ing) im engeren Sinne der Analyse und Kritik von Normativität, und im weiteren Sinne zielt sie darauf ab, die Dominanz von Normalität/en, Normalitätsregimen und binären Oppositionen zu durchkreuzen. Da wir den Bedeutungshorizont von Begriffen wie queer, queering/queeren und Queerness als offen und veränderlich ansehen, geht es uns in der AG auch stets darum, eine fortwährende Auseinandersetzung mit unterschiedlichen, sich wandelnden und widerstreitenden Verständnissen dieser sowie benachbarter und neu hinzukommender Begriffe und Konzepte zu führen.

Sich kritisch mit der kulturellen Dominanz der Sichtbarkeit auseinanderzusetzen und dabei deren komplexe Verwobenheit zu anderen Dimensionen sinnlicher Affizierbarkeit zu problematisieren, bedeutet, die oft disziplinär unzulänglich definierten Format-, Gattungs- und Genrebegrenzungen zu überwinden und stattdessen verstärkt ein Verständnis von Queering audio/visueller/materieller/+ Kulturen zu diskutieren. Auch wenn wir vordergründig unterschiedliche kultur-, geistes- und spezifisch kunst- und medienwissenschaftliche Perspektiven der Gender und Queer Studies mit dem Fokus auf visuelle Kulturen und Intermedialität miteinander ins Gespräch bringen und kritisch reflektieren wollen, ist uns als AG wichtig, dass Queeren im intersektionalen und transdisziplinären sowie contradisziplinären Sinne über das Feld der Geschlechter- und Sexualitätsstudien hinausweist. Gerade weil die AG damit auf ein Queering audio/visueller/materieller/+ Alltags- und Wissenschaftskulturen abzielt, bezieht sie sich deshalb auch auf die audio/visuellen Praxen und Kulturen in den Natur- und Technikwissenschaften, der Designforschung (Visual Design Theory, UI/UX design theory), den Curatorial Studies, der Medizin, den Rechts-, Religions-, Erziehungs-, Sozial- und Politikwissenschaften sowie den entsprechenden Praxisfeldern.

Mitmachen & informiert bleiben

Falls Sie Interesse an der Mitarbeit haben und/oder neueste AG-Informationen erhalten wollen, nehmen Sie bitte per Mail Kontakt mit den verantwortlichen Personen (o.klaassen@uni-oldenburg.de und nastold@burg-halle.de) auf. Wir werden Sie dann auf Wunsch in unseren E-Mail-Verteiler aufnehmen.

 

Nächstes Treffen:

  • 15.10.21, 13-16 Uhr (ONLINE)

 

Verantwortliche Personen

(alphabetische Sortierung nach Anfangsbuchstaben vom Nachnamen)

  • Oliver Klaassen, wiss. Mitarbeiter_In, Institut für Kunst und visuelle Kultur, C. v. O. Universität Oldenburg (o.klaassen@uni-oldenburg.de)
  • Friederike Nastold, wiss. Mitarbeiterin, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (nastold@burg-halle.de)

Aktive Mitglieder

(alphabetische Sortierung nach Anfangsbuchstaben vom Nachnamen)

  • Daniel Berndt, Postdoc, Kunsthistorisches Institut, Universität Zürich
  • Antke Antek Engel, iQt – Institut für Queer Theory, Berlin
  • Magdalena Götz, wiss. Mitarbeiterin, DFG-Graduiertenkolleg „Locating Media“, Universität Siegen
  • Susanne Huber, wiss. Mitarbeiterin Kunstgeschichte, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
  • Katrin Köppert, Juniorprofessur Kunstgeschichte/populäre Kulturen, Institut für Theorie, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
  • Christian Liclair, Kunsthistoriker, keine Affiliation
  • Ursula M. Lücke, Kunst & Bild/Kulturwissenschaften, fine queer art, Linz/Hamburg
  • Barbara Paul, Professur Kunstgeschichte, Institut für Kunst und visuelle Kultur, C. v. O. Universität Oldenburg
  • Lena Radtke, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Kunst und visuelle Kultur, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
  • Annika Lisa Richter, Studentin, Institut für Kunst und visuelle Kultur, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
  • Sylvia Sadzinski, Kuratorin, alpha nova & galerie futura, Berlin
  • Jenny Schrödl, Juniorprofessur Theaterwissenschaft, Institut für Theaterwissenschaft, Freie Universität Berlin
  • Dirk Schulz, Geschäftsführer und Dozent von GeStiK – Gender Studies in Köln, Universität zu Köln
  • Konstanze Schütze, Juniorprofessur Kunst Medien Bildung, Department Kunst & Musik, Humanwissenschaftliche Fakultät, Universität zu Köln
  • Véronique Sina, Institut für Film-, Theater-, Medien- und Kulturwissenschaft, Johannes Gutenberg-UniversitätMainz
  • Ann-Kathrin Stoltenhoff, Erziehungs-, Kultur- und Medienwissenschaft, freie Wissenschaftler:in