HipHop gilt als traditionsbewusste, wertkonservative und machistische Szene; als „sexistische Kulturpraxis, gekennzeichnet dadurch, daß primär zwischen Mann und Nicht-Mann unterschieden und Weiblichkeit als Projektionsfläche für männliche Phantasien begriffen wird“ (Klein/Friedrich 2003: S. 206). Neben dem Militär, der Waffen-Lobby oder auch dem Fußball wird HipHop als eine der ‚letzten Bastionen traditioneller Männlichkeit‘ gehandelt und zuweilen mit archaischen, aggressiv-vitalistischen Maskulinitäten assoziiert. Nicht nur weil diese Annahmen ‚nur einen Teil der Kultur‘ (Cora E.) abbilden, sondern auch, weil HipHop bzw. die Rap-Szene nicht losgelöst von gesamtgesellschaftlichen Transformationsprozessen betrachtet werden darf, stellt die Dissertation das komplexe Phänomen deutschsprachiger Rap-Männlichkeiten in das Zentrum der Analyse. Transformationsprozesse von Geschlecht werden dabei männlichkeitstheoretisch perspektiviert und auf ihre Implikationen für die Rap-Szene befragt. Inwiefern findet sich die Diskursivierung von Männlichkeit auch im Bereich Rap wieder? Verliert die Position des Mannes angesichts fortwährender Ausdifferenzierung und einer zunehmenden Sichtbarkeit und Professionalisierung weiblicher Akteur_innen auch im Rap sukzessive den Status einer fraglosen Gegebenheit? Ist die vielbeschworene ‚Krise der Männlichkeit‘ auch im deutschsprachigen Rap angekommen? Wie gestaltet sich männliche Identitätsarbeit, wenn im Zuge von Kommerzialisierung, Mediatisierung und Differenzierung neue, alternative Männlichkeiten das Feld betreten und in Konkurrenz zu hypermaskulinen Narrationen treten? Kommt es zu einer Neuverhandlung hegemonialer Männlichkeit und was wird als solche imaginiert und intersubjektiv hervorgebracht? Zur Beantwortung dieser Fragen wird ein dem Objektbereich HipHop/Rap angemessener interdisziplinärer, sowie multimethodischer Zugang gewählt. Dabei wird ausgewähltes Text- und Bildmaterial diskurs- und genderlinguistisch analysiert und durch Erkenntnisse aus der Online/Offline-Ethnographie ergänzt.
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