Statement der Fachgesellschaft Geschlechterstudien zum Wissenschaftstag 2018

Über 120 Promotions- und über 100 weitere Forschungsprojekte auf der Homepage der Fachgesellschaft Geschlechterstudien belegen Vielfalt, Aktualität, Ertrag und Relevanz der Geschlechterforschung.

Deutlich zeigen diese Projekte, dass die Geschlechterstudien ein heterogenes trans- wie interdisziplinäres Forschungsfeld bilden, in dem aus verschiedenen theoretischen Perspektiven und mit unterschiedlichen methodischen Werkzeugen die gesellschaftliche Bedeutung von Gender und die vielfältigen Ausgestaltungen von Geschlechterverhältnissen analysiert werden.

Aktuelle Projekte fragen etwa nach den Auswirkungen der Digitalisierung des Alltags auf Geschlechterbilder und -verhältnisse, sie untersuchen die Zukunft der Arbeit und neue Familienkonstellationen, setzen sich mit der Einführung des 3. Geschlechtseintrags auseinander und erheben Daten zum demographischen Wandel. Auswirkungen auf Geschlechterkonstellationen werden auch mit Blick auf erneuerbare Energien etwa in Ländern des Globalen Südens oder unter Bedingungen von Austeritätspolitiken erforscht. In Kooperation mit Geschlechterforscher*innen werden gegenwärtig darüber hinaus von Bundes- und Landesinstitutionen geschlechtersensible Maßnahmen zur Gesundheitsprävention wie zur gesunden Ernährung entwickelt. In allen diesen Forschungsprojekten werden gesellschaftliche Problemlagen und Fragestellungen aufgegriffen. Diese werden insbesondere in der kritischen Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt sichtbar, die nicht erst seit #MeToo und der Kölner Silvesternacht von 2016 einen wichtigen Forschungsstrang der Geschlechterstudien darstellt. Gegenwärtig widmen sich verschiedene Forschungsprojekte der Analyse von Gewalt als gesellschaftlicher Struktur, als Interaktionsmuster und Ordnungsmacht. Grundlegend fragt das BMBF Verbundprojekt „Schutzkonzepte in der Kinder- und Jugendarbeit“, das seit August an den Hochschulen Kiel, Hildesheim, Landshut und Kassel arbeitet, was Jugendliche eigentlich als sexualisierte Gewalt einschätzen, und wie dementsprechend Schutzkonzepte der Kinder- und Jugendarbeit zu entwickeln sind. Im Anschluss an geschlechtersensible Analysen von Gewalt wird u.a. auch nach konkreten Umgangsweisen und Interventionen gesucht, so z.B. die Studie „Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz – Lösungsstrategien und Maßnahmen zur Intervention“, die im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes entstand. Ziel ist es hier, nachhaltige Präventionsmaßnahmen zu implementieren, um der sexuellen Belästigung von Arbeitnehmer*innen am Arbeitsplatz entgegenzutreten.

Da es oftmals konkrete Problemlagen und Fragestellungen sind, die in den Geschlechterstudien bearbeitet werden, konnten Forscher*innen für ihre Projekte Mittel der Europäischen Union, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie verschiedener Landesministerien und Stiftungen einwerben. Andere finanzieren ihre Forschungen durch Eigenmittel. Methodisches Instrumentarium, theoretische Konzepte und Erkenntnispotentiale der Gender Studies werden durch und in diesen Forschungen ständig weiterentwickelt. Damit stellen die Gender Studies ein Wissenschaftsfeld dar, das Antworten auf drängende gesellschaftliche Fragen zu liefern vermag.

Die Heterogenität der Geschlechterstudien wie auch das Erkenntnispotenzial der Geschlechterforschung zeigen sich nicht zuletzt darin, dass diese analytische Perspektive in vielen Fachdisziplinen verankert wurde, was die jeweiligen erkenntnistheoretischen wie methodischen Herangehensweisen ohne Zweifel bereichert und erweitert hat: In Bildungswissenschaft, (Europäischer) Ethnologie/Kulturanthropologie, Geschichtswissenschaft, Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft, Naturwissenschaften, Rechtswissenschaft, den Philologien, der Philosophie, Soziologie, Wirtschafts- und Technikwissenschaft u.v.m. stellen Fragestellungen und Perspektiven der Gender Studies eine wichtige Erkenntnisperspektive dar. Geschlechterforschung zeichnet sich mithin durch ihre inter- und transdisziplinäre Ausrichtung aus. Verbindendes Element ist jedoch die Frage nach den Effekten und Funktionsweisen von Geschlecht als Struktur- und Ordnungskategorie und als performative Kraft gesellschaftlicher (Re-)Produktion sowie die damit verbundene Einsicht, dass Geschlecht auf vielfältige Weise mit anderen, sozial wirksamen Kategorisierungen verwoben ist. Wie und wo Gender wirksam wird, wie und wo es außer Kraft gesetzt wird, das sind offene Fragen, die theoretische wie empirische Antworten erfordern. Gemeinsames Ziel ist es, auf Muster und Strukturen, Wirkungen und Effekte aufmerksam zu machen, die in Vergangenheit und Gegenwart an unterschiedlichen Orten Geschlechterverhältnisse als Ungleichheitsverhältnisse hervorbringen. Offengelegt werden komplexe sozioökonomische und kulturelle Zusammenhänge, deren Dynamik und/oder Persistenz, deren Regeln und Besonderheiten jeweils lokal wie historisch situiert sind.

Die Fachgesellschaft trägt weiterhin dazu bei, die Erkenntnisse und Potenziale der Geschlechterforschung kostenfrei und öffentlich zugänglich machen. Aktuell können im „Open Gender Journal“ wissenschaftliche Diskussionen und Forschungsergebnisse barrierearm publiziert und unter freier Lizenz abgerufen werden. Das Journal ist Teil der neu gegründeten, von der Fachgesellschaft getragenen „Open Gender Platform“ (gefördert durch das BMBF), innerhalb der das Margherita-von-Brentano-Zentrum (FU) seit Juni 2018 zu den sich verändernden Publikationsbedingungen forscht und nachnutzbare Open-Access-Lösungen für alle Forschenden zur Verfügung stellt. Auch das Verbundprojekt „GenderOpen – Ein Repositorium für die Geschlechterforschung“ sichert die Erträge der Geschlechterforschung und macht sie elektronisch verfügbar. In Zusammenarbeit dreier Berliner Universitäten und von der DFG gefördert, bauen das Margherita-von-Brentano-Zentrum (FU), das Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien (HU) und das Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (TU) gemeinsam dieses disziplinäre Repositorium auf.

Interessierte wie Wissenschaftler*innen laden wir herzlich zur Jahrestagung der Fachgesellschaft Geschlechterstudien ein. Hier erhalten Sie Einblicke in die unterschiedlichen genannten Forschungsprojekte und können mit uns die Geschlechterstudien als Wissensgebiet und Wissenschaftsfeld weiterentwickeln. Die nächste Jahrestagung findet vom 4.-6. Juli 2019 an der FernUniversität in Hagen statt und widmet sich methodischen, methodologischen und theoretischen Fragen und Ansätzen der Geschlechterforschung: http://www.fernuni-hagen.de/tagung-fg-gender/

Der Vorstand der Fachgesellschaft Geschlechterstudien

(Statement als PDF)

#4genderstudies (18. Dezember 2018)

#4genderstudies: Wissenschaftstag Gender Studies

Am 18.12.2018 findet erneut der Wissenschaftstag Gender Studies statt. Der Vorstand der Fachgesellschaft unterstützt diese öffentlichkeitswirksame Aktion und möchte dazu anregen, sich individuell und/oder institutionell mit dem Hashtag #4genderstudies zu beteiligen. An verschiedenen Standorten sind hierzu vorab Informationsveranstaltungen geplant.

Weitere Informationen finden Sie hier zeitnah.

Difference, Diversity, Diffraction. Confronting Hegemonies and Dispossessions — Documents

10th European Feminist Research Conference
Atgender (The European Association for Gender Research, Education and Documentation) and the German Gender Studies Association (FG Gender)
12-15 September 2018 in Göttingen (Germany)

Opening Speech (PDF), Sabine Grenz, Chair of the German Gender Studies Association (Wednesday, September 12)

Black feminist thoughts: from intersectionality to the engendering of racial capital (PDF), Noémi Michel, Keynote Address (Thursday, September 13)

Liveability as a Decolonial Option through Collaborative Research and Activisms (PDF), Niharika Banerjea, Keynote Address (Friday, September 14)

“Ebola from Brussels”: anti-genderism, right-wing populism and the future of transnational feminism (PDF), Agnieszka Graff & Elżbieta Korolczuk, Keynote Address (Saturday, September 15)

Selbstdarstellung AG Trans* Inter* Studies

Bislang existieren keine nachhaltigen Forschungszusammenhänge von Personen, die aus nicht pathologisierender Perspektive zu Themen der Trans- und Intergeschlechtlichkeit arbeiten. Es fehlen Orte für wissenschaftlichen Austausch, sowie einschlägige Publikationsorte, Forschungsergebnisse werden häufig in unterschiedlichsten Disziplinen an sehr disparaten Orten publiziert und viele dieser Wissenschaftler*innen arbeiten in weitgehender Vereinzelung. Die weitgehende Unkenntnis dieser Forschungen, sowie abwehrende Haltungen gegenüber Trans- und Intergeschlechtlichkeit tragen zu einer nach wie vor ausgeprägten Marginalisierung dieser Forschungsrichtungen bei. Mit der AG Trans* Inter* Studies möchten wir die Möglichkeit der Vernetzung von Wissenschaftler*innen in diesen Feldern bieten und einen Arbeitszusammenhang schaffen, der die Diskussion grundlegender Fragen- und Problemstellungen, sowie einen Austausch über Forschungsprojekte und aktuelle Entwicklungen in der Förderlandschaft ermöglicht.

Die konstituierende Sitzung findet am Freitag, den 14.09.2018 auf der diesjährigen Jahrestagung der FG Geschlechterforschung an der Universität Göttingen statt.

Ansprechpartner*innen

Josch Hoenes, Berlin, jhoenes@web.de
René_ Hornstein, TU Braunschweig

Traueranzeige: Prof. Dr. Susanne Ihsen ist verstorben

Mit Bestürzung und Trauer hat der Vorstand der Fachgesellschaft Geschlechterstudien erfahren, dass die Kollegin Susanne Ihsen plötzlich und unerwartet am 20. August 2018 verstorben ist. Susanne Ihsen, promovierte Sozialwissenschaftlerin, war von 2004 bis 2018 Professorin für Gender Studies in den Ingenieurwissenschaften an der Technischen Universität München. Sie hat als hoch angesehene und in zahlreichen Netzwerken, Funktionen und Gremien engagierte Kollegin und Pionierin in den Gender Studies die Zusammenhänge von Gender, Technik und Diversity in den Mittelpunkt ihrer Forschung und Lehre gestellt. Mit großem Nachdruck hat sie sich für mehr Chancengleichheit und Vielfalt in technischen Berufen und in der Technikentwicklung eingesetzt. Susanne Ihsen war in Netzwerken der Gender Studies und der Ingenieurwissenschaften gleichermaßen engagiert und renommiert. Damit hat sie bundesweit und in internationalen Kontexten überaus maßgeblich zur Etablierung der Gender Studies in MINT, insbesondere in den Ingenieurwissenschaften, beigetragen.

Wir trauen um eine herausragende Kollegin und Weggefährtin, die uns sehr fehlen wird. Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie und ihren Freund*innen.

Konstituierende Sitzung der AG Trans* Inter* Studies am 14.9.18

Liebe Interessierte,

wir haben eine AG Trans* Inter* Studies in der Fachgesellschaft Geschlechterstudien e.V. gegründet und laden Euch hiermit zu der konstitutiven Sitzung der AG auf der diesjährigen Jahrestagung der FG ein. Das Treffen findet am Freitag den 14.9.2018 um 13:00 Uhr in Raum VG 3.108 der Universität Göttingen statt (Im Tagungsprogramm findet ihr das Treffen unter Open Forum 31).

Obwohl im deutschsprachigen Raum zunehmend wissenschaftliche Arbeiten aus nicht pathologisierender Perspektive zu den Themenbereichen Trans- und Intergeschlechtlichkeit entstehen, sind diese Diskurse innerhalb der Geschlechterforschung und auch innerhalb der Fachgesellschaft noch immer marginalisiert. Es fehlen sowohl Gelegenheiten zu wissenschaftlichem Austausch und Debatten als auch zentrale Publikationsorgane, die Forschungsergebnisse leicht auffindbar machen.

Die Neugründung der AG Trans* Inter* Studies zielt darauf ab, eine breitere Vernetzung von Wissenschaftler*innen in diesen Bereichen zu ermöglichen und Orte für einen Austausch über grundlegende Fragen der Trans* und Inter* Studies, Projektvorhaben und aktuelle Entwicklungen in der Förderlandschaft zu schaffen.

Für das Treffen schlagen wir folgende Tagesordnung vor:

  1. Kennenlernen & Austausch über zentrale Anliegen
  2. Verständigung über die Arbeitsweise der AG
  3. Festlegung der zentralen Themen und Ziele für das kommende Jahr
  4. Ernennung der Sprecher_innen

Um trotz den knappen Zeitrahmens eine produktive Sitzung zu gestalten, bitten wir Interessierte darum, sich bis zum 10.9.2018 bei Josch Hoenes und René_ Hornstein per Email melden:

jhoenes@web.de

Wir freuen uns auf Ihre/eure Teilnahme und verbleiben mit herzlichen Grüßen,

i.A. Josch Hoenes und René_ Hornstein

Einladung zur Gründungsveranstaltung einer AG inter*trans* in der FG Gender

Liebe Mitglieder der FG Gender Studies,

innerhalb des inter_trans_Wissenschaftsnetzwerks (https://intertranswissenschaft.net/) hat sich eine Gruppe von Menschen zusammengefunden, die eine AG inter*trans* innerhalb der Fachgesellschaft gründen wollen. Struktur, Inhalte und Arbeitsplan der AG werden auf einem ersten Treffen besprochen.

Alle Interessierten, die auf nicht pathologisierende Art und Weise zu trans* und inter* Themen forschen, sind herzlich eingeladen am Gründungstreffen teilzunehmen.

Diese findet
am 14.7.2018 von 11:00 bis 17:00
am ZIFG der TU Berlin (Marchstr. 23, Raum MAR 2.013)
statt.

Wir bitten um kurze Rückmeldung, wenn ihr am Treffen teilnehmen wollt (zwecks Essensplanung) oder an der AG interessiert seid, aber so kurzfristig nicht teilnehmen könnt (dann informieren wir Euch über Ergebnisse und weitere Termine) an: josch.hoenes@uni-oldenburg.de

Herzliche Grüße,
i.A. Josch

In memoriam Prof. Dr. Mechtild Oechsle (20. Februar 1951 – 12. März 2018)

Von Annette von Alemann

Am 12. März 2018 verstarb Prof. Dr. Mechtild Oechsle in Bremen im Alter von 67 Jahren. Mit ihr verlieren wir eine vielseitige Geschlechterforscherin, die Frauen* und Männer* in Beruf und Familie, in Organisationen und alltäglicher Lebensführung, in ihren Leitbildern und ihren Praxen untersucht hat. Ihre Forschungsschwerpunkte lagen in der Geschlechtersoziologie, der Arbeits- und Jugendsoziologie sowie in Bildungssoziologie und Politischer Bildung.

Mechtild Oechsle studierte Soziologie, Politikwissenschaft und Germanistik an der Justus-Liebig-Universität Gießen, zunächst zwischen 1970 und 1975 auf Lehramt an Haupt- und Realschulen. Nach ihrem Ersten und Zweiten Staatsexamen entschied sie sich 1977 für eine Fortsetzung ihres Studiums in Gießen, das sie 1980 abschloss, und für eine wissenschaftliche Laufbahn. 1986 promovierte sie bei Hans-Joachim Krüger in Gießen zum Thema „Der ökologische Naturalismus: Zum Verhältnis von Natur und Gesellschaft im ökologischen Diskurs“.

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Traueranzeige: Prof. Dr. Mechtild Oechsle ist verstorben

Mit Bestürzung und Trauer hat der Vorstand der Fachgesellschaft
Geschlechterstudien den Tod der Kollegin Mechtild Oechsle vernommen. Mechthild Oechsle war von 1993 bis zur ihrem Ruhestand Professorin für Sozialwissenschaften, Schwerpunkt Berufsorientierung und Arbeitswelt/Geschlechterforschung an der Universität Bielefeld. Sie hat mit ihren zahlreichen empirischen und konzeptuellen Beiträgen zu Familien/Vaterschaft, Lebensplanung, Privatheit, Politische Bildung die Soziologie und hierbei insbesondere die sozialwissenschaftlichen Gender Studies maßgeblich geprägt. Auch hat sie durch ihr starkes Engagement wesentlich zur Institutionalisierung der Geschlechterforschung beigetragen, u.a. als Ko-Herausgeberin der Buchreihe „Geschlecht & Gesellschaft“ bei VS Springer, als Professorin in einem DFG Graduiertenkolleg „Geschlechterverhältnis und Sozialer Wandel“, im SFB „Von Heterogenitäten zu Ungleichheiten“ und im Vorstand des Interdisziplinären Frauen-Forschungszentrum (IFF) der Universität
Bielefeld.
Mechtild Oechsle hat mit vielen Kolleginnen und Kollegen gemeinsam in
verschiedenen Formen kooperiert und war eine überaus beliebte Kollegin.
Sie wurde als Mensch und Kollegin sehr geschätzt. Unser Mitgefühl gilt
ihrer Familie und Freund_innen.