CfP: Categories in Flux Continuity and/or Change?

CALL FOR PAPERS
Categories in Flux
Continuity and/or Change?

Internationale Konferenz
Eberhard Karls Universität Tübingen
9. -11. Oktober 2019

ENGLISH VERSION

Deadline für Abstracts: 31. März 2019

Kontakt: categoriesinflux@mail.de (Patrick Bresemann und Hanne Roth)

„The sheer ability and staying power of the idea that male and female psychologies are inhe-rently different can’t help but impress,“ konstatiert Cordelia Fine mit Blick auf einen Teilbe-reich neurowissenschaftlicher Forschung, der eine binäre Geschlechterordnung legitimiert und sich aktuell neuer Beliebtheit erfreut. Während in den 1990er und frühen 2000er Jahren eine Vielzahl von Autor*innen gegen die Annahme anschrieben, dass Männer und Frauen fundamental unterschiedliche Wesen seien, und trotz Anzeichen einer zunehmenden Öffnung der Gesellschaft für Lebensentwürfe, Partnerschafts- und Elternschaftsmodelle abseits der Norm, scheinen aktuell ‚traditionelle‘ Geschlechterrollen wieder an Bedeutung zu gewinnen. Aber ist das tatsächlich der Fall? Andere Stimmen betonen die enormen progressiven Veränderungen, die sich in den letzten Jahren ereignet haben: So spricht Margarete Stokowski von den „letzten Tagen des Patriarchats“ und dessen letztem Aufbäumen. Jonas Schaible betrachtet den vermeintlichen aktuellen ‚Rechtsruck‘ als ein auf einen lautstarken rechten Rand begrenztes Phänomen, während der Großteil der Gesellschaft „pluraler, liberaler und selbstverständlich diverser“ werde.

Im öffentliche Diskurs finden sich also ganz unterschiedliche Einschätzungen hinsichtlich der zeitdiagnostischen Frage „Continuity or Change?“. Diese Beobachtung lässt sich mit der Frage nach dem ‚making‘ und ‚unmaking‘ von Kategorien verknüpfen: Gesellschaftliche Ordnungen beruhen auf Kategorisierungen, die Menschen auf bestimmte, aber kontingente Weise unterscheiden, etwa nach Geschlecht, Klasse oder ethnischer Herkunft. Auf der Konferenz „Categories in Flux“ wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, wie gesellschaftlicher Wandel mit der Veränderung von Kategorien zusammenhängt. Bringen gesellschaftliche Veränderungen alte Kategorien ins Wanken oder unterlaufen neue Konventionen der Kategorisierung alte soziale Ordnungen? Kaschieren neue Begrifflichkeiten alte Ungleichheiten oder bergen sie tatsächlich ein egalisierendes Potential? Anstatt von einem ‚entweder / oder‘ auszugehen, lässt sich mit Raymond Williams eine Gleichzeitigkeit von emergenten, residualen und hegemonialen Kategorien erkennen. Denkt man mit Williams, so versteckt sich hinter der Frage „Continuity or Change?“ die sehr viel schwieriger zu beantwortende Frage, ob und wo wir es tatsächlich mit der Emergenz des genuin Neuen zu tun haben und wo sich z.B. die vermeintlich letzten Tage des Patriarchats als eine weitere Phase in der Geschichte eines enorm resistenten Kategorisie-rungssystems entpuppt.

In der Konferenz wollen wir unterschiedliche disziplinäre Perspektiven zusammenbringen und gemeinsam über aktuelle Entwicklungen von „Categories in Flux“ und „Continuity and/or Change“ nachdenken und diese diskutieren. Sowohl Beiträge zu einzelnen Kategorien in bestimmten Feldern, Arenen, Praktiken und kulturellen Repräsentationen, als auch umfassendere (zeitdiagnostische) Auseinandersetzungen sind willkommen.

Mögliche Themenfelder sind:
• Wandel und Stabilität als politische Rhetoriken
• Wechselwirkungen von sozialen Bewegungen und dem Wandel von Kategorien
• Anpassungsfähigkeit von Kategorien als Modus ihres Fortdauerns
• Persistenz von unplausiblen Kategorisierungssystemen
• ‚Tradition‘ als Legitimation für umkämpfte Kategorien in modernen Gesellschaften
• Backlash- und Social-Justice-Bewegungen
• Dekonstruktionen von Kategorien in Film und Literatur
• …

„Categories in Flux” ist eine internationale Konferenz, die vom interdisziplinären Promotionsverbund „Die Persistenz einer Kultur der Zweigeschlechtlichkeit” des Zentrums für Gender- und Diversitätsforschung, Eberhard Karls Universität Tübingen ausgerichtet wird. Forschende aus den Sozialwissenschaften, der Philosophie, aus Politik-, Kultur- und Literaturwissenschaften, die sich mit Kategorien und Fragen von Kontinuität und Wandel auseinandersetzen, sind herzlich willkommen. Die Konferenzsprachen sind Englisch und Deutsch.

Neben Keynote Speakern und Forschenden, die ihre Forschungsergebnisse in klassischen Vortragsformat vorstellen, wird es insbesondere für Promovierende auch die Möglichkeit geben, ihre Promotionsprojekte als ‚work in progress‘ in Form von Postern zu präsentieren und zu diskutieren.

Bitte senden Sie Ihr Abstract (ca. 500 Wörtern für Vorträge oder 300 Wörtern für Poster) zusammen mit einem kurzen CV an:
categoriesinflux@mail.de

Deadline für die Einreichung ist der 31. März 2019.

Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei.