Ringvorlesung, TU Berlin WS 2019/20 „Die doppelte Verwertung. Vom Verschwinden des Unbewussten aus dem Wissen der Disziplinen“

Ringvorlesung WS 2019/20

Die doppelte Verwertung.

Vom Verschwinden des Unbewussten aus dem Wissen der Disziplinen.

mittwochs 18.oo – 20.oo Uhr

Raum H 0110
Zentrum für Interdisziplinäre Frauen-
und Geschlechterforschung,

TU Berlin

Die Geschichte des Unbewussten ist seit seiner ‚Entdeckung‘ um 1800 eine umkämpfte Geschichte. Schon die Frage, ob es entdeckt oder erfunden wurde, ist letztlich unbeantwortet und unbeantwortbar. Das Unbewusste war zudem immer auch das Unbewiesene und selbst jene, die von seiner Existenz überzeugt sind, sind sich uneinig, wie seine Existenz zu beweisen wäre.

Die Vorträge der Ringvorlesung gehen aus unterschiedlichen Perspektiven der Frage nach dem Status des Unbewussten in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen nach. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass wir insbesondere in den an Zahlen, Metrisierung und Standardisierung orientierten Disziplinen vom Verschwinden des Unbewussten sprechen können, und so auch das Unverfügbare weg rationalisiert wird. Was aber passiert, wenn Standardisierung und Ökonomisierung menschlicher Belange weiter voran getrieben wird und die Räume für Träume und Utopien – und damit auch die der politischen Kämpfe für andere Gesellschaftsordnungen – in vermeintlich geordnete Bahnen der Effizienz und Output-Orientierung gelenkt werden? Verschwindet mit dem Unbewussten auch die Möglichkeit, sich der Rationalisierung zu entziehen und Neues zu ermöglichen? Und wie können wir diese Fragen nicht gegen, sondern mit Hilfe neuer Technologien artikulieren?

An diesen Diskussionen dran zu bleiben, ist daher auch eine Aufforderung, das vermeintlich nicht Vermessbare und Kategorisierbare, das Unverfügbare, immer wieder ins Labor, in die Produktionsstätten (wissenschaftlichen) Wissens und in die scheinbar bis ins kleinste Detail verwalteten und Zukunft über Risikoberechnungen vorhersagenden Weltanschauungen hineinzutragen.

Alle Termine

30.10.2019 Vera King; 13.11.2019 Antoinette Rouvroy; 27.11.2019 Ranjana Khanna; 4.12.2019 Ilka Quindeau; 11.12.2019 Cornelius Bock; 15.1.2020 Marie-Luise Angerer; 22.1.2020 Deboleena Roy;

Freitag 31.1.2020 Judith Butler (Raum H 0105)

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Englische Version

Double exploitation.

The disappearance of the unconscious from the knowledge of the disciplines.

wednesday 18.oo – 20.oo

Room H 0110
Zentrum für Interdisziplinäre Frauen-
und Geschlechterforschung,

TU Berlin

Since its ‚discovery‘ around 1800 the history of the unconscious has been a contested history. Even the question of whether it was discovered or invented is ultimately unanswered and unanswerable. Moreover, the unconscious has consistently been the unproven, and even those who are convinced of its existence disagree on how to prove its existence.

The lecture series explores the question of the status of the unconscious in various academic disciplines from different perspectives. The starting point is the assumption that we can speak of the disappearance of the unconscious, especially in the disciplines oriented towards numbers, metrisation and standardisation, and that the unavailable is thus rationalised away. But what happens when the standardization and economization of human interests is further advanced and the spaces for dreams and utopias – and thus also those of political struggles for other social orders – are steered into supposedly orderly paths of efficiency and output orientation? Does the unconscious also disappear with the possibility of eluding rationalization and making the new possible? And how can we articulate these questions not against but with the help of new technologies?

To stay abreast of these discussions is therefore also an invitation to carry the supposedly unmeasurable and categorizable, the unavailable, into the laboratory again and again, into the production facilities of (scientific) knowledge and into the apparently managed worldviews that predict the future through risk calculations.

Dates:

30.10.2019 Vera King; 13.11.2019 Antoinette Rouvroy; 27.11.2019 Ranjana Khanna; 4.12.2019 Ilka Quindeau; 11.12.2019 Cornelius Bock; 15.1.2020 Marie-Luise Angerer; 22.1.2020 Deboleena Roy;

Freitag 31.1.2020 Judith Butler (Raum H 0105)

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TU Berlin
Zentrum für Interdisziplinäre
Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG)

Dr. Hannah Fitsch
Fakultät I Sek MAR 2-4
Marchstraße 23 10587 Berlin
Raum: MAR 2.019
Tel: 030 – 314 73723
Email: hannah.fitsch@tu-berlin.de