Zwei Veranstaltungshinweise Psychoanalytische Bibliothek Berlin

Donnerstag, 4. Oktober 19:30 Uhr 

Prototypes I-III

Filmvorführung mit Doireann O’Malley

Moderation: Michaela Wünsch

Eintritt: 10/5 €

Die Künstlerin Doireann O’Malley zeigt Ausschnitte ihrer Filminstallation Prototypes.  Die Installation besteht aus einem dreiteiligen Film, der sich Transsexualität mit Fragen nach dem Humanen, Nicht-Humanen und Trans-Humanen nähert. Der erste Teil legt den Fokus auf transsexuelle Übergänge vom Weiblichen zum Männlichen und fragt, wie diese Wechsel an die Grenzen des Menschlichen stoßen. Drei Protagonistinnen werden in psychoanalytischen Sitzungen begleitet, wobei der legendäre queere Künstler Hans Scheirl einen Pseudo-Jungianischen Analytiker spielt. Im zweiten Teil nehmen drei Transfrauen in einem retro-futuristischen Setting in der Akademie der Künste im Hansaviertel an Rollenspielen teil, angeleitet von Jamie MacDonald, und sprechen in analytischen Sitzungen mit der Psychoanalytikerin Michaela Wünsch. Im dritten Teil werden die Träume der Protagonisten und Protagonistinnen in einem 3D-Film inszeniert. In diesem Teil werden breitere philosophische Themen entlang von Biologie, Verkörperung, Sexualität und Utopien verhandelt.

Im Anschluss an die Vorführung der Filmausschnitte sprechen und diskutieren Doirann O’Malley und Michaela Wünsch über das Filmprojekt.

Der Film wird in Englischer Sprache gezeigt, beim Gespräch gibt es nach Bedarf eine Übersetzung ins Deutsche.

Doireann O’Malley ist eine irische in Berlin lebende Künstlerin. Sie war Stipendiatin am Edith-Russ-Haus für Medienkunst in Oldenburg und ist dieses Jahr für den Berlin Art Prize nominiert. 

Die Installation Prototypes wurde im Sommer in der Dublin City Gallery The Hugh Lane und im BOZAR – Zentrum für Bildende Künste in Brüssel gezeigt.

Donnerstag, 22. November  19:30 Uhr

Sexuelle Differenz. Die bestrittene Negativität

Vortrag von Tove Soiland

Moderation: Michaela Wünsch

Eintritt: 10/5 €

Am Grunde des Kapitalismus liegt der Versuch, Sex loszuwerden, so postuliert Lacan in seinem einzigen Fernsehinterview 1973. Wie verhält sich diese Aussage zur heute gängigen Auffassung, wonach die sexuelle Differenz als Gipfel und Inbegriff der heterosexuellen Matrix zu dekonstruieren sei? Während für die aus den us-amerikanischen Cultural Studies stammende Gender- und Queer-Theorie die sexuelle Differenz der Befreiung multipler Identitäten im Wege steht, entspricht dieses Anliegen aus der Sicht der neueren Lacan-Rezeption einem nicht reflektierten Über-Ich-Befehl, einer angeblichen Pluralität in uns gerecht zu werden. Weit davon entfernt, einem emanzipatorischen Ansinnen entgegenzustehen, gilt deshalb der heutigen Lacan-Rezeption die sexuelle Differenz als jene Negativität, deren Auslöschung die subjekttheoretische Voraussetzung der kapitalistischen Akkumulationslogik schlechthin darstellt.

Verkompliziert wird diese Diskussion durch den Umstand, dass Lacan selbst den Begriff der sexuellen Differenz kaum verwendet. Er spricht vom »nicht-existierenden Geschlechtsverhältnis«. Es ist davon auszugehen, dass der Begriff der sexuellen Differenz durch Luce Irigaray in die Lacan-Rezeption Eingang fand, die damit jedoch eine dezidierte Kritik an Lacans Geschlechtertheorie und hier insbesondere an der darin vorgesehenen Position der Mutter verband. Warum der Begriff, jedoch nicht Irigarays Kritik, in die Rezeption Eingang fand, ist eines der Rätsel, dem der Vortrag nachgehen will. Er versteht sich als Werkstattgespräch und gibt Einblick in die gegenwärtige Fragestellung der Vortragenden.

Tove Soilands Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Feministische Theorie, französische Psychoanalyse und Marxismus. Sie ist Lehrbeauftragte und Gastprofessorin an verschiedenen Universitäten und bietet bei der Gewerkschaft in Zürich seit Jahren Seminare für Frauen zu feministischer Theorie an. Soiland studierte Geschichte und Philosophie an der Universität Zürich und promovierte dort 2008 zu »Luce Irigarays Denken der sexuellen Differenz. Eine dritte Position im Streit zwischen Lacan und den Historisten«. 

Dr. Michaela Wünsch

Psychoanalytische Bibliothek Berlin

Ort für Forschung und Praxis nach Freud und Lacan e.V.

Hardenbergstr. 9

10623 Berlin

www.psybi-berlin.de