Pressemitteilung zur Konferenz

„Aktuelle Herausforderungen der Geschlechterforschung“ vom 28. Sept. bis 30. Sept. 2017 an der Universität zu Köln

Die Gender Studies stellen sich aktuellen Herausforderungen! Die erste gemeinsame Konferenz der deutschen, österreichischen und schweizerischen Fachgesellschaften für Geschlechterforschung debattiert Fragen der Gegenwartsanalyse und der Zukunft ihres Wissenschaftsfeldes.

Die Gender Studies werden derzeit in der medialen und politischen Öffentlichkeit breit und kontrovers debattiert. Dies reicht von informierten Diskussionen über die Veränderungen von Wissenschafts-, Hochschul- und Forschungsstrukturen bis hin zu Unterstellungen und populistischen Verzerrungen. Diese treffen allerdings nicht allein die Geschlechterforschung, sondern auch wissenschaftliche Praxis allgemein.

Nach dem Auftakt startet die Konferenz mit der Podiumsdiskussion „Geschlechterforschung im politischen Raum“ mit Vertreter_innen aus Politik, Wissenschaft und Hochschulleitungen der D-A-CH-Länder, bei der genau diese Verhältnisse zwischen wissenschaftlichem und öffentlichem Raum genauer ausgelotet werden: Welche Entwicklungen in der institutionellen Verankerung und Förderung der Geschlechterforschung zeigen sich in den letzten zehn Jahren? Worin liegen die besonderen Anknüpfungspunkte und Potenziale von Geschlechterforschung, um normativen Verengungen und Ausgrenzungen entgegenzutreten und zum Gegenstand kritischer, auch öffentlicher Diskussionen zu machen?

Im Anschluss fragt die Geschlechterforscherin und Queer-Theoretikerin Sabine Hark (TU Berlin): „Welche Zukunft geben wir »der« Geschlechterforschung?“ Ihr Vortrag „Kontingente Fundierungen. Über Feminismus, Gender und die Zukunft der Geschlechterforschung in neo-reaktionären Zeiten“ analysiert nicht allein die aktuellen Diffamierungen der Gender Studies als „neo-reaktionäre Allianzen im Geiste“. Sie greift zugleich Fragen auf, die sich in den unterschiedlichen Strömungen, wissenschaftlichen Fundierungen und Verflechtungen der Gender Studies erneut stellen: „Wie verhält sich Feminismus zu Gender Studies heute? (…) Ist Gender noch ein Begriff der Kritik, ein Herrschaft aufschlüsselndes Konzept? Oder ist Gender Routine geworden, ein Item auf einer Checkliste, die Inklusion suggeriert“?

Dass ‚Geschlecht’ in unterschiedlichsten Verhältnissen von Relevanz ist und damit alle Wissenschaftsdisziplinen durchquert, ist gemeinsamer Kern des forschungsstarken, theoretisch und empirisch ausdifferenzierten, pluralen Feldes der Geschlechterforschung. Die Konferenz zeigt diese inhaltliche Vielfalt in rund fünfzig Panels und Foren. Hier werden sozial-, kultur- und rechtswissenschaftliche Fragen von Menschenrechten und Migration ebenso verhandelt wie die Relevanz von Trans/Geschlechtlichkeit etwa in Bildungsprozessen, spezifische musik- und theater- und literaturwissenschaftliche Fragestellungen ebenso wie Fragen nach Spielräumen in postkolonialen Verhältnissen, problematische Sorgeverhältnisse ebenso wie technik- und naturwissenschaftliche Innovationen. Zwei Plenumsvorträge – von Lucy Suchman (Universität Lancaster, Science and Technology Studies) und Almira Ousmanova (Universität Vilnius, Visual Studies) – weiten den Blick auf internationale Debatten und geopolitische Räume

So divers die Fragestellungen und Zugänge auch sein mögen, die auf der Tagung mit 500 angemeldeten Teilnehmer_innen verhandelt werden, so sei den Gender und Queer Studies eines doch gemeinsam: „dass sie sich als Teil einer wissenschaftlichen Praxis begreifen, die für eine bewohnbare und gerechtere Welt einsteht – und damit das tun, was die Wissenschaftsforscherin, Biologin und Feministin Donna Haraway so treffend formuliert: ‚Staying with the Trouble’“ – so Susanne Völker, erste Sprecherin der deutschen Fachgesellschaft Geschlechterstudien e.V. und Leiterin der zentralen wissenschaftlichen Einrichtung Gender Studies in Köln (GeStiK).

Köln, den 21.09.2017

Pressekontakt

Susanne Völker, GeStik, Universität zu Köln, susanne.voelker@uni-koeln.de, 0221-470-4743

Pressemitteilung (als PDF-Dokument)